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Emotional Support Dog

Emotional Support Dogs

Interview mit Katharina Küsters

Info Stand Juli 2021: Es gibt derzeit eine Gesetzesänderung bei den Assistenzhunden, die auch die Emotional Support Dogs betreffen wird. Das Interview ist aus dem März 2021.

Expertin für Assistenzhunde und ESAs

Vielen Dank liebe Katharina, dass du dich bereit erklärt hast für das Interview. Wir kennen uns bereits seit 2014 und arbeiten mittlerweile intensiv zusammen. Angefangen mit den Assistenzhunden und nun auch Emotional Support Dogs. Da das Thema noch nicht sehr bekannt ist, würde ich dich bitten hier mehr darüber zu erzählen...

 

Als erstes stelle dich am besten kurz vor, wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Katharina Küsters, ich bin Mitte der 1970er Jahre im Bergischen Land bei Köln geboren. Nach dem Studium der Sozialarbeit (Schwerpunkt Sozial- und Qualitätsmanagement) habe ich lange in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Parallel dazu bilde ich seit April 2007 Hunde / Assistenzhunde und seit Frühjahr 2015 auch Emotional Support Dogs aus. 

 

Inzwischen arbeite ich Vollzeit mit den Hunden, begleite Menschen und Hunde auf dem Weg zum Assistenzhunde-Team / ESA-Dog Team, bin deutschlands einzige anerkannte Sachverständige für Assistenzhunde (BDSF e.V.) und auch anerkannte Sachverständige für Hunde des Landes NRW. Daneben schreibe ich Fachbücher über Assistenzhunde und ESA-Dogs.

 

Zu meinem „Rudel“ gehören neben meinem Mann auch unsere 4 Rentnerbeagle Paul, Dana, George, Lisbeth, die Labradordamen Layla und Maddy, unser Dauerpflegehund Molly Doodle und in wechselnder Konstellation Hunde, die bei uns die Ausbildung zum Assistenzhund oder ESA Dog absolvieren.

 

Worauf bist du spezialisiert?

In den vergangenen Jahren habe ich mich intensiv mit der Ausbildung von Assistenzhunden und Emotional Support Dogs spezialisiert. Auch bin ich derzeit die einzige Ausbilderin, die auch Hunde aus dem Tierschutz zu Assistenzhunden / ESA Dogs ausbildet.

 

Was bedeutet ESA?

ESA bedeutet Emotional Support Animal = Emotionales Unterstützer Tier.

 

Was machen Emotional Support Dogs?

Ein ESA unterstützt in emotional / psychisch belastenden Situationen. Dabei ist seine bedingungslose Loyalität die Hauptaufgabe. Durch seine Anwesenheit wirkt er beruhigend auf seinen Menschen.

 

Ich habe keinen Labrador oder Golden Retriever, kann ich meinen Hund trotzdem ausbilden?

Ja, wie auch beim Assistenzhund ist die Eignung, die Freude am Zusammensein mit dem Menschen, die beruhigende Wirkung auf seinen Menschen wichtiger als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse.

 

In Amerika, dem Land mit den derzeit meisten registrierten ESA Dogs gehören viele ESA Dogs zu den Zwergrassen oder sind klein gewachsene Mischlinge unbekannter Herkunft.

Eine häufige Frage: Sind Assistenzhunde, Therapiehunde und Emotional Support Dogs nicht das gleiche?

Nein, die einzige Gemeinsamkeit ist: alle diese Hunde arbeiten in irgend einer Form mit und für Menschen (mit einer Behinderung und / oder chronischen Erkrankung).

 

Assistenzhunde werden speziell für die Bedürfnisse eines Menschen ausgebildet und unterstützen diesen Menschen im Alltag. Ein Assistenzhund absolviert eine umfassende Ausbildung, die in der Regel 2 – 2,5 Jahre dauert und rund 6000 – 8000 Stunden umfasst.

 

Ein Therapiehund begleitet seinen therapeutisch oder pädagogisch tätigen Menschen und arbeitet gemeinsam mit diesem bei vielen verschiedenen Menschen. Ein Therapiehund absolviert manchmal eine Ausbildung, die je nach Ausbildungsstätte 4 Wochen bis 1 Jahr umfasst.

 

Ein Emotional Support Dog ist ein Hund, der speziell für die Bedürfnisse eines Menschen mit einer psychischen Erkrankung trainiert ist. Die Erkrankung ist dabei zwar belastend und schränkt auch das Leben des Menschen ein, sie stellt jedoch keine Schwerbehinderung dar.

 

 

Übersicht von: Pick-Pocket

 

Kannst du uns ein Beispiel für einen Emotional Support Dog nennen?

Eine Personalchefin eines börsennotierten Unternehmens war beruflich viel auf der ganzen Welt unterwegs, überwiegend mit dem Flugzeug und viel im asiatischen Raum. Irgendwann wurde die Verantwortung und die ständigen Reisen in andere Zeitzonen für sie zu viel und sie konnte nicht mehr in ein Flugzeug einsteigen, ohne deutliche Stresssymptome bis hin zu Panikanfällen zu erleben.

 

Auf einem ihrer Flüge, bei denen sie vorher starke Beruhigungsmittel genommen hat, um überhaupt fliegen zu können, erlebte sie die Unterstützung eines zufällig anwesenden Emotional Support Dog und seines ESA-Nehmenden. Es entwickelte sich ein Gespräch und nach ihrer Rückkehr suchte sich die Personalchefin professionelle, psychologische Unterstützung und erinnerte sich dabei an ihren Kindheitswunsch nach einem Hund. Dieser Wunsch wurde ihr von den Eltern damals nicht erfüllt und geriet in Vergessenheit.

 

Mit der Unterstützung eines Emotional Support Dog Ausbildenden fand sie einen „Powderpuff“ (die langhaarige Variante eines chinesischen Schopfhundes), der mit 2 Jahren ein neues Zuhause suchte. Nach 6 Monaten Training, (während sie phasenweise krankgeschrieben war und permanent psychologisch begleitet wurde) konnte sie in Begleitung des Ausbildenden und ihres Hundes „Muffin“ einen ersten Probeflug von Köln nach München absolvieren und wenige Wochen später ihre berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen. “Muffin“ begleitet seitdem seine ESA-Partnerin auf Flügen in die ganze Welt und ist selbstverständlich auch bei allen Besprechungen dabei. Nicht nur seinem Frauli fiel schnell auf, welche ausgleichende Wirkung der kleine Rüde hat. Auch ihren Kollegen gefiel die angenehmere Atmosphäre bei schwierigen Gesprächen.

 

Wie finde ich einen passenden Trainer? Woraus sollte ich achten?

Das ist tatsächlich derzeit noch eine große Herausforderung. Außer im Paulshof werden ESA Dogs derzeit (Stand 03/2021) nach unserem Kenntnisstand nirgendwo in Deutschland strukturiert und mit hoher Qualität ausgebildet.

 

Da die Hauptaufgaben die Loyalität, sehr gute Sozialisierung und Umweltgewöhnung und auch ein sehr guter Grundgehorsam sind, kann theoretisch auch ein sehr guter fachlicher Hundeausbilder begleiten….ABER die Herausforderung ist jemanden zu finden, der neben dem hohen fachlichen Wissen über Hunde und Hundeausbildung auch ein umfangreiches Wissen über menschliche psychische Erkrankungen, den Umgang mit Krisensituationen und ein hohes Maß an fachlicher Empathie besitzt.

 

Wo kann ich mehr über Emotional Support Dogs erfahren?

Am einfachsten über www.assistenzhund.com unter dem Punkt ESA Dog.

 

Für umfassende Informationen habe ich ein neues Buch geschrieben:

Gemeinsam durch die Krise: Emotional Support Dogs

 

Das Buch unterstützt Menschen mit dem Wunsch nach einem ESA Dog. In unserem Training Center NRW Nähe Köln begleiten wir unsere Kunden und auch online können wir inzwischen unterstützen.

 

Was wir anbieten:

- Auswahl des Emotional Support Dogs

- Eignungstest

- Training zum Emotional Support Dog

- Prüfung zum Emotional Support Dog (inklusive Kenndecke und Teamausweis)